Ein Teil des Teams, das jeden Dienstag den Tafelladen in Gerabronn öffnet: Er ist eine Kooperation der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde mit dem Tafelladen Crailsheim der diakonischen Aufbaugilde Heilbronn.

„Ureigenste Aufgabe der Kirche“

Im April 2013 ist der Tafelladen der Gerabronner „OffenBar“ mit dem Ziel an den Start gegangen, bedürftigen Menschen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Im Dezember 2013 wurde der Vertrag mit der Aufbaugilde, die den Crailsheimer Tafelladen betreibt, unbefristet verlängert. 

Eine Einkaufsmöglichkeit für bedürftige Menschen in Gerabronn anzubieten, war das Ziel der ökumenischen Begegnungsstätte „OffenBar“. Nach langer Suche haben die Verantwortlichen im Tafelladen Crailsheim einen Partner gefunden. Im April ist das gemeinsame Projekt gestartet, seither lief es auf Probe: „Wie schaffen wir es mit unseren Ehrenamtlichen, wie sieht es mit den Räumlichkeiten aus und können wir die lebensmittelhygienischen Vorschriften erfüllen“, fasst der katholische Gemeindereferent Nils Neudenberger die Überlegungen im Vorfeld zusammen. 

Die Erfahrungen waren positiv: Jeden Dienstagnachmittag öffnen von 14.30 bis 15.30 Uhr 22 Ehrenamtliche im Alter von 18 bis 80 Jahren aus dem Gerabonner Umland den Tafelladen im katholischen Gemeindesaal (Goethestraße 21). „Es hat uns gefreut“, erzählt Neudenberger, „dass sich so viele Menschen von unserer Idee haben ansprechen lassen und sich nun ehrenamtlich in diesem karitativen Angebot einbringen“. Der Tafelladen Crailsheim der diakonischen Aufbaugilde Heilbronn unterstützt das Projekt logistisch und mit viel Erfahrung. „Die Idee eines ,Franchise-Systems‘ ist gut, weil sehr viel Organisatorisches hinter einen Tafelladen steckt“, ergänzt der evangelische Pfarrer Simon Englert die Überlegungen. Das Crailsheimer Team um Karin Coffey sammelt bei verschiedenen Partnern jeden Tag Lebensmittel, Obst und Gemüse sowie Molkerei- und Backwaren ein, „die Waren sind einwandfrei und das Mindesthaltbarkeitsdatum ist noch nicht abgelaufen, sie können aber nicht mehr in Märkten verkauft werden“, betont Coffey, die Waren wurden früher einfach weggeworfen. „Wir suchen ständig neue Spender, die uns Waren zur Verfügung stellen, gerne auch im Gerabronner Raum.“ Das Angebot ist darum nicht jede Woche gleich, „mal haben wir mehr Molkereiprodukte, mal mehr Konserven“.

Rund 20 bis 25 Personen kaufen pro Woche im Gerabronner Tafelladen zu maximal 30 Prozent des ortsüblichen Preises ein. Der Berechtigungsschein für den Einkauf im Tafelladen wird von den Mitarbeitern direkt vor Ort ausgestellt. 

Doch nicht nur der Einkauf ist wichtig, auch der Austausch der Betroffenen untereinander: Im Gerabronner katholischen Gemeindesaal gibt es parallel zu den Öffnungszeiten auch Kaffee und Kuchen, die Ehrenamtlichen laden ihre „Kunden“ zum Verweilen und zum Gespräch ein: „Somit werden sie nicht alleine mit ihren Problemen gelassen“, erklärt Karin Coffey die Idee dahinter.

Die diakonische Aufbaugilde Heilbronn hat sich sozial schwachen Menschen in der Region verschrieben, betont Holger Fuhrmann, zuständig für die Angebote in der Crailsheimer Filiale. „Wir bieten mit einer Suppenküche, dem Tafelladen und einer Werkstatt eine Basisversorgung in Crailsheim an.“ Von dort aus soll das Angebot in den ländlichen Raum gehen, war die Idee. Somit ergänzen sich die Ziele in Crailsheim und Gerabronn ideal: „Die ,OffenBar‘ ist eine beeindruckende Einrichtung, bei der ganz selbstverständlich die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden zusammenarbeiten“, ist Fuhrmann begeistert. 

Pfarrer Englert freut sich über das Angebot, „Armen zu helfen ist eine Sprache, die jeder versteht und die eine der ureigensten Aufgaben der Kirche ist“.